Leitbild

Das Café 5 vor 12 wird betrieben von uns, dem gemeinnützigen Verein VolxKüche München e. V.

Im Folgenden könnt ihr nachlesen welches Leitbild unseren Verein und unser Café prägt!

ALLGEMEIN
Die VolxKüche München e.V. (im folgenden VoKü genannt) ist aus einem Kochkollektiv entstanden, das sich im Jahr 2009 bei den Studentenprotesten zusammenfand und seither eine politische (und inzwischen auch humanitäre und soziale) Küche betreibt. Sie ermöglicht Menschen, sich ehrenamtlich für andere Menschen zu engagieren und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen, verbunden mit dem gemeinsamen Kochen und/oder mit einer warmen Mahlzeit. Wir als VoKü sehen uns als Gemeinschaft die füreinander eintritt und füreinander sorgt. Darüber hinaus ist die VoKü ein Gestaltungsspielraum der von Vielen eigenverantwortlich und kreativ genutzt wird.

WARUM KOCHEN? – WAS BEDEUTET KOCHEN FÜR DIE VOKÜ?
Kochen ist eine Ur-Tätigkeit des Menschen. Es steht für Gemeinschaft und das gegenseitige Sorgen Für- und Miteinander. Es steht aber auch für Kreativität, (Sinnes-)Freude und oft auch für Zuhause-Sein. So vielseitig die Menschen sind, so vielseitig ist auch ihre Esskultur. Beim gemeinsamen Kochen und Essen finden Begegnungen statt, bauen sich Vorurteile ab, wird Wertvolles geteilt und Wertschätzung geübt. Die VoKü hat sich auf den Einsatz in Krisensituationen spezialisiert. Sie verfügt über die Infrastruktur, das Netzwerk und die Erfahrung innerhalb von Stunden den Betroffenen vor Ort zur Seite zu stehen. Dabei verfährt sie nach einer Politik der offenen Tür, bei der sich jeder Mensch, der helfen will auf seine Art und Weise beteiligen kann. So kann sie innerhalb kürzester Zeit leere Mägen füllen, Trost spenden und sogar vielen Betroffenen oder engagierten Menschen eine sinnvolle Tätigkeit in einem strukturierten Umfeld anbieten. Keine Überrationalisierung der Abläufe innerhalb der Küche und der routinemäßige Umgang mit Veränderung und Chaos durch zum Beispiel wechselnde Personenkonstellationen, das kochen mit gespendeten Lebensmitteln oder sehr kurze Reaktionszeiten bei Kriseneinsätzen schulen die persönliche Schaffensfreude und Kreativität des Einzelnen und erlauben so auch unter widrigen oder unplanbaren Umständen hochwertige Gerichte zuzubereiten. Frei nach dem Motto „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.“, beweisen die VoKü-Aktionen somit jedes Mal aufs Neue, dass ein gut funktionierender Küchenbetrieb durch die unterschiedlichen Herangehensweisen eines jeden Einzelnen nicht beeinträchtigt, sondern belebt und bereichert wird. Nach diesen Vorsätzen ist die VoKü keine (Groß-)Küche im üblichen Sinne, denn sie zielt auch bei der Versorgung von großen Gruppen bewusst nicht auf industriell standardisiertes Essen mit durchrationalisierten und bis auf das äußere optimierten Kochprozeduren (z.B. durch Fertigprodukte/-gerichte oder hohe Technisierung). Stattdessen hat sich die VoKü auf das händische Verarbeiten von frischen Lebensmitteln spezialisiert, die mit Liebe und Kreativität zubereitet werden. So entsteht frisches, gesundes, abwechslungsreiches und leckeres Essen aus den zur Verfügung stehenden Zutaten.

WERTE UND MENSCHENBILD
Menschen sind unterschiedlich. Aber Essen tun sie alle. Das Zubereiten von Lebensmitteln zu wohlschmeckenden Gerichten und das gemeinsame Essen gehört zu den ältesten und fundamentalsten Tätigkeiten, die das Menschsein ausmacht. Statt auf die ethnische, religiöse, soziale oder berufliche Zugehörigkeit, das Alter oder den Bildungsstand einzugehen, spricht die VoKü daher den Menschen an und somit den Teil von uns, der uns alle verbindet. Als barrierefreier Raum für gesellschaftliches Engagement steht die VoKü jedem
Menschen offen, der bereit ist, sich ehrenamtlich für eine gute Sache einzusetzen und mit unterschiedlichsten Menschen zusammen zu arbeiten. Die Art und Weise und der zeitliche Aufwand mit dem sich jemand engagieren und einbringen möchte, kann und muss jeder immer wieder neu für sich selbst entscheiden und definiert so zudem seine Position im vielseitigen Tätigkeitsfeld der VoKü. Dies erfordert eine gesunde Selbsteinschätzung, Authentizität und eine gewisse, gesunde Direktheit. In ihren Aktionen stellt die VoKü stellt den Zweck und den Menschen vor den finanziellen Aspekt. Durch kostenlose Verpflegung bzw. flexible Preisstrategien, ehrenamtliches Engagement und die Möglichkeit selbst anzupacken stellt sie sich gegen die gegenwärtige Kommerzialisierung aller Lebensbereiche. Wenn das Projekt gesellschaftlichen Nutzen hat finden wir einen Weg es zu unterstützen. Die VoKü versteht sich als So kann sich jeder gemäß seinen Fähigkeiten, Interessen und Kapazitäten einbringen, weiterentwickeln und Entscheidungen mitgestalten. Durch diese offene Struktur fördert die VoKü bei ihren Mitgliedern und Helfern:

– Kreativität,
– Eigeninitiative und Eigenverantwortung,
– den Abbau von Vorurteilen,
– Gestaltungskompetenz,
– das Erlernen vielfältigster Fähigkeiten voneinander und
– Verantwortungsübernahme für die Entwicklung einer friedlichen, hilfsbereiten und (inter)aktiven, zukunftsfähigen Gesellschaft.

In der VoKü kochen Menschen für Menschen. Daher ist die VoKü nicht tolerant im klassischen Sinne tolerant, denn sie übergeht Klassifizierungen im Regelfall einfach von vornherein, statt auf sie einzugehen und ihnen so einen besonderen Stellenwert zuzuordnen. Ohne Dogmatismus, Fanatismus oder eine „Leitkultur“ besteht also auch kein Grund zu gendern, Quoten einzuführen oder „Randgruppen“ gesondert hervorzuheben. Jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse, Stärken und Schwächen. Diese gilt es gemeinsam zu integrieren, zu nutzen und zu gestalten.

5 VOR 12 – DEIN FELDCAFÉ FÜR RUHIGE ZEITEN
Um der wachsenden Zahl an Projekten und Aktionen und damit der wachsenden Verantwortung gerecht zu werden, betreibt die VoKü ein Café. Dieses Café ist Basisstation, Lehrstätte, Experimentierlabor und Treffpunkt für den Verein und alle Menschen, die sich für das Anliegen der VoKü interessieren – also prinzipiell alle Menschen, die die Grundwerte der VoKü teilen unabhängig von ihrem Alter, beruflichen und kulturellen Hintergrund. Die Ausrichtung der VoKü auf Krisensituationen und größere Koch-Projekte für Gruppen im oft drei bis vierstelligen Bereich erfordert eine möglichst große Anzahl an potentiell verfügbaren Helfern, die geschult sind im hygienischen Umgang mit Lebensmitteln und den Prozeduren in einer Küche. Da die VoKü im Ernstfall mobil, also als Feld-Küche am Ort des Geschehens unter teils sehr widrigen politischen, hygienischen und logistischen Bedingungen kocht, ist das Feld-Café ein Ort der Trockenübung für den Ernstfall. Hier können mit Leichtigkeit, Spaß und ohne großen Druck Rezepte ausprobiert, Sicherheit und Hygiene geübt sowie eine Kommunikation trainiert werden, die im Ernstfall alle direkt und indirekt Beteiligten schützen und befähigen. Zugleich können kleinere, lokale Aktionen direkt im Café in dem dafür eingeplanten Bereich – neben dem Café Betrieb und ohne übermäßigen Mehraufwand – durchgeführt werden. Darüber hinaus ist das 5 vor 12 auch ein Ort, an dem die Kultur und das Anliegen der VoKü Gemeinschaft (siehe Werte und Menschenbild) gelebt werden. Daher bietet das Café Raum für gesellschaftlich relevante Themen. Diese werden umgesetzt in Veranstaltungen (Podiumsdiskussionen, Konzerten, Solidaritäts-Aktionen, Ausstellungen etc.) und natürlich die Gespräche, die im laufenden Café Betrieb entstehen. Das Café soll die offene Tür hin zu pro-aktivem, konstruktivem gesellschaftlichem Engagement verkörpern, für das die VoKü steht. Jeder Mensch ist eingeladen in das Café als Gast, Besucher, Bedürftiger, Helfer, Unterstützer, oder einfach nur Interessierter Einblick zu gewinnen in den gesellschaftspolitischen Ansatz der VoKü.

WARUM VEGAN?
Die Vokü kocht standardmäßig vegan. Dafür gibt es mehrere Gründe, die je nach Situation verschieden stark ins Gewicht fallen. Der erste Grund liegt in der Natur der Aktionsküche, bzw. der Hygiene. Die VoKü hat in der Vergangenheit unter teils extremen klimatischen und gesundheitlichen Außenbedingungen gekocht. Hier dem hygienischen Anspruch gerecht zu werden, dem sich die VoKü verschrieben hat, wäre mit der Verarbeitung von Tierprodukten kaum oder nur schwer zu leisten. Da wir aber in jeglicher Situation die gleiche hohe Qualität liefern wollen ist es nur folgerichtig, dass die VoKü sich vollständig leckerem veganen Essen verschrieben hat. Der zweite Grund betrifft das Menschenbild und dem grundlegenden Anliegen der VoKü. Da wir so viele Menschen wie möglich gemeinsam an einen Tisch bekommen wollen muss auch das Essen möglichst unabhängig von kulturellen, religiösen, weltanschaulichen und ethischen Ausrichtungen für alle einladend sein. Veganes Essen liefert nicht nur diesen größten gemeinsamen Nenner, es bietet auch eine oft ungeahnt große kulturelle und geschmackliche Vielfalt. Schließlich setzen wir mit veganem Essen auch ein politisches Statement gegen industrielle Tiermast und die damit verbundene Umweltzerstörung. Eine nachhaltige Zukunft wird aus ökologischen und sozialen Gründen zu großen Teilen vegan sein müssen und daher lohnt es sich schon heute leckere und nahrhafte Rezepte zu sammeln und zu teilen. Ob die Köche, Helfer oder Bekochten der VoKü dabei selbst vegan leben oder nicht, ist für diesen Grundsatz nicht von Bedeutung. Die VoKü hat keinen Missionierungs-, sondern lediglich einen Inspirations-Anspruch.